Geschichten

Symbolbild: K.H.
Symbolbild: K.H.

C. B.* (43) ging durch tiefe Täler im Leben, bis sie bei der Heilsarmee einstieg. Hier will sie bleiben. Sie hofft auf eine Festanstellung.

 

Aus ihren wachen, braunen Augen strahlt sie. Flink läuft sie durch die Brocki Biel, zeigt stolz ihre perfekt angeordnete Glasabteilung. So lebendig war C. B. nicht immer. Mit der gelernten Gartenbauerin ging es seit 1994 auf und ab.

 

Es begann mit Panikattacken. Immer wieder durchlebte C. B. Angstzustände, die in einer Erschöpfungsdepression endeten. Sie war oft krank und musste sich stationären Therapien unterziehen. Sie sprach kaum noch, schlief viel. Rückblickend sagt sie: „Ich bin total kaputt gewesen. Manchmal sass ich von morgens bis abends regungslos in einem Sessel. Ich habe es kaum noch miterlebt.“

 

Tiere oder Brocki

Vor sechs Jahren wurde ihr von der Invalidenversicherung eine Teilrente zugesprochen. Zudem schlug der IV-Berater ein Arbeitsprogramm vor. C. B. durfte sagen, in welchen Bereichen sie gerne arbeiten würde. „Das war für mich klar: eine Arbeit mit Tieren oder in einer Brockenstube.“ Kurz darauf konnte sie in einer Heilsarmee Brocki mit einem 40-Prozent Pensum ins Arbeitstrainings-, später ins Abklärungsmodul einsteigen.

 

Sie lernte, ihre Ängste abzubauen, und gewann Stabilität und Sicherheit zurück. C. B. erinnert sich gut an die Begrüssung der Brocki-Leiterin: „Wir brauchen Sie hier“. Das war wie Seelenbalsam. In der Brocki wurde C. B. auf gute Art gefordert: „Ich lernte wieder hinzustehen und zu sagen, wenn ich an meine Grenzen kam. Ich wurde aber auch gefördert. Stets hörte ich die Ermutigung ‚das kannst du’“.

 

Ohne Druck

In der Brocki lernte sie, dass sie es nicht allen recht machen muss. Statt unerträglichem Leistungsdruck wurde akzeptiert, dass sie auch mal einen schlechten Tag habe. Die 43-Jährige erhielt die nötige Zeit, das Bedienen der Kasse, den Verkauf und das Ausstellen der Ware zu lernen. Sie fühlte sich von ihren Vorgesetzten unterstützt. Zudem könne sie jederzeit ihren Heilsarmee-Betreuer anrufen, wenn sie Fragen oder Sorgen habe. Die Brocki wurde ihr „Wohlfühlort“. In der Filiale in Biel leitet sie die Glaswarenabteilung. Es war ihr Wunsch, denn sie liebt Glas. „Bei diesem Rayon bin ich echt pingelig, wie verrückt“, fügt sie hinzu und lacht, dass die Sorgenfältchen verschwinden.

 

Das Gefühl, dass Ängste ihr die Energie rauben, hat sie heute noch manchmal. Doch sie kann besser mit ihren Grenzen umgehen. „Wenn ich spüre, dass die Müdigkeit zu gross wird, streiche ich etwas aus meinem Programm neben der Brocki. Arbeiten gehe ich trotzdem. Ich darf dann ja nicht daheim bleiben, das tut nicht gut.“ C. B. hofft, dieses Jahr eine Festanstellung losgelöst vom Arbeitsintegrationsprogramm zu erhalten.

 

Text: Elsbeth Cachelin/Florina German; *Name der Redaktion bekannt